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open access art

Das Konzept dieser Reihe wurde unter den Bedingungen und Eindrücken der veränderten Erfahrbarkeit von Kunst in Zeiten der Corona-Pandemie entwickelt.

Die Ausstellungen sind durch und in den Fenstern des Kunstraums Elsa, sozusagen „en passant“, täglich zu den angegebenen Zeiten sichtbar.

Die Räume wandeln sich im Laufe der Ausstellungszeit. Das gesamte Konzept der Ausstellungsreihe ist auf den Wandel, die Bewegung und das Erleben hin ausgerichtet.

Erfahrbar sind die Ausstellungen zum einen unmittelbar in der Innenstadt in Bielefeld, zum anderen im digitalen Raum auf der Website, durch Trailer und Interviews.

Im Herbst, als es deutlich wurde, dass Corona nicht so schnell vorbei sein würde, begann ich wie viele andere darüber nachzudenken, was das für die Kunst bedeuten würde. Wie würde sich die Ausstellung, und das Machen von Ausstellungen verändern? Und was konnte ich vor Ort, mit dem Kunstraum Elsa in Bielefeld, bewirken?

Ein wichtiger Gedanke dazu ist access, der Zugang zur Kunst. Dieser Begriff betrifft so viele Bereiche: Von den wichtigen Debatten um mehr Diversität unter den Künstler*innen bis zu den Schließungen durch die Corona-Beschränkungen. Aber auch vor Corona gab es Teile der Gesellschaft, denen der Zugang zur Kunst gefehlt hat, vielleicht aus Scheu, aus Mangel an Zeit und Geld, oder weil sie sich in Kunsträumen fremd fühlen.

Eine Krise ist immer ein Anlass zur Reflexion und zum Wandel. In welchem Verhältnis stehen Raum, Werk und Betrachter*in, und wo dockt die Vermittlung von Kunst an?

Das Jahresprogramm „open access art“ beginnt mit „Rear Window“, der Ausstellung einer Videoanimation nach Hitchcock von Jeff Desom (Los Angeles). Räumlich versetzt finden sich die Betrachter*innen ganz real vor einem Fenster wieder: der Film, der von dem „Fenster zum Hof“ handelt, wird wieder durch ein Fenster beobachtet.

Die Ausstellung folgt nicht einem wellenförmigen Ablauf mit der Eröffnung als Höhepunkt. Sie kann es nicht, und es ist auch interessant zu sehen, was geschieht, wenn sie es nicht tut. Sie ist in einzelne Segmente unterteilt. In zeitlichen Abständen von einigen Wochen erfolgt eine Veränderung, die jeweils Elemente der Kunst und der Kunstvermittlung reflektiert. 

Phase 1

Introvertiertheit. Das Kunstwerk kündigt sich selbst an. Niedrigschwellig, geradezu beiläufig, ist es für jeden sichtbar der die Elsa-Brändström-Str. nach Dunkelheit passiert, und einen Blick durch das Fenster wirft. Es ist langsam, bedächtig, unaufdringlich. Und doch, für den achtsamen und neugierigen Blick, ein kleines Ereignis in der Dunkelheit.

Phase 2

Interaktion. Werk/Film, Fenster/Blick, Text/Bild. Ein Broschüre zum Mitnehmen.

Zum Betrachten kommt ein interaktives Element: Blättern, in die Tasche packen, lesen. Oder: herunterladen, ausdrucken. Die Interaktion ist haptisch, aber sie ist auch theoretisch: im Text finden sich Informationen,  Hintergründe und Denkansätze.

Phase 3 

Die Ankündigung. Bis jetzt konnte man das Kunstwerk organisch wahrnehmen, von jetzt an wird es einem angekündigt. Es gibt einen Hinweis in einem zweiten Fenster, in einem zweiten Raum. Wie verändert sich die Bedeutung und die Zugänglichkeit eines Werkes, wenn man informiert wird, wenn auf es verwiesen wird?

Phase 4

Die Auswahl. In Phase 4 wird der Prozess der Auswahl thematisiert, indem ich ihn rückgängig mache, und auch die Kunstwerke auf den Nachrückerplätzen dürfen wieder mitspielen.

Die Ausstellungsreihe wird gefördert von dem Programm „Neustart Kultur“